mobile-logo-wbt-muenster
Kartentelefon
Timur Vermes
11 | ER IST WIEDER DA
Satire. Fassung von Kathrin Sievers
Wiederaufnahme | Dienstag, 13. September 2016 | 20 Uhr
Vorstellungsdauer | 2 1/4 Stunden | Eine Pause

  • 01_Er_ist_wieder_da
  • 02_Er_ist_wieder_da
  • 03_Er_ist_wieder_da
  • 04_Er_ist_wieder_da
  • 05_Er_ist_wieder_da
  • 06_Er_ist_wieder_da
  • 07_Er_ist_wieder_da
  • 08_Er_ist_wieder_da
  • 09_Er_ist_wieder_da
  • 10_Er_ist_wieder_da
  • 11_Er_ist_wieder_da
  • 12_Er_ist_wieder_da
  • 13_Er_ist_wieder_da
  • 14_Er_ist_wieder_da
  • 15_Er_ist_wieder_da
  • 16_Er_ist_wieder_da
  • 17_Er_ist_wieder_da
  • 18_Er_ist_wieder_da
  • 19_Er_ist_wieder_da
  • 20_Er_ist_wieder_da

Fotos: © Klaus Lefebvre


Berlin, 21. Jahrhundert. Ein Mann mit einem unverkennbaren Oberlippenbart. Adolf Hitler erwacht auf einem leeren Grundstück. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva. Im tiefsten Frieden, unter Tausenden von Ausländern und Angela Merkel. 66 Jahre nach seinem vermeintlichen Ende strandet der GröFaZ* in der Gegenwart. Junge Leute erkennen ihn nicht, er ist stark irritiert. Als er sich nach dem Weg zur Reichskanzlei erkundigt, wird er lachend gefragt, ob er von Stefan Raab oder von Hape Kerkeling kommt. Er stiftet größte Verwirrung und versteht selbst nicht, warum. Blitzschnell analysiert er den Zustand der maroden Gesellschaft und erkennt, was zu tun ist. Er startet eine neue Karriere – im Fernsehen. Denn mit Propaganda kennt er sich aus . . .

Eine gallige Satire über Medien und ein Land, das trotz jahrzehntelanger Demokratie auf der Suche nach Quoten, Klicks und "Gefällt mir"-Buttons einem Demagogen gegenüber völlig chancenlos ist.

Das Romandebüt des 1967 in Nürnberg geborenen Timur Vermes wurde bisher über 2 Mio. Mal verkauft. Im Oktober 2015 kam die Verfilmung in die Kinos. Fürs WBT hat Regisseurin Kathrin Sievers den Roman dramatisiert.

Mit den Satiren von Mel Brooks (Frühling für Hitler), George Tabori (Mein Kampf) und Helmut Dietl (Schtonk) wurde auch in Deutschland ab den 1970er Jahren eine Genre-Tradition des Lachens über Hitler begründet. Bei Vermes ist es anders, weil sich der Leser zunehmend ertappt, wie er nicht mehr über Hitler lacht, sondern mit ihm. Geht das? Darf man das überhaupt?


*Achtung Satire! "GröFaZ" ist ein als Spottname gebrauchtes Akronym für "Größter Feldherr aller Zeiten" und bezeichnet Adolf Hitler.


Inszenierung | Kathrin Sievers

Ausstattung | Annette Wolf

Mitwirkende | Florian Bender
[Sawatzki u.a.] | Thomas Karl Hagen [Hitler] | Sven Heiß [Sensenbrink u.a.] | Monika Hess-Zanger [Renate Künast u.a.] | Jürgen Lorenzen [Kioskbesitzer u.a.] | Hannah Sieh [Bellini u.a.] | Eva-Maria Lüers [Gönül Özlem u.a.] | Alice Zikeli [Vera Krömeyer u.a.]


PRESSESTIMMEN

"Am Wolfgang Borchert Theater in Münster versucht Thomas Karl Hagen nicht Hitler darzustellen, sondern gibt einen Hitlerdarsteller, der weiß, dass er nur als Parodie ernst genommen wird. [...] Geradezu lehrstückhaft zeigt Regisseurin Kathrin Sievers mit einer politisch aktualisierten Spielfassung, wie sich solche Typen mit rhetorischem Geschick, Rücksichtslosigkeit und Showtalent immer wieder in Machtzentralen manövrieren und willkommen geheißen werden. [...] Die Aufführung ist ein erschreckender Spaß. Je länger er dauert, desto weniger wird über diese kuriose Hitler-Figur, desto mehr mit ihr über die Profiteure der Hitler-Hetze sowie die gläubigen und amüsierten Konsumenten gelacht – der Zuschauer also zum Kollaborateur. Was das Lachen vorschriftsmäßig im Halse stecken bleiben lässt."
Die Deutsche Bühne

„Wie er auf die Frage nach dem Namen entnervt aufstöhnt: „Hitler, Adolf Hitler.“ Das glaubt man ihm sofort. Dieser Mann ist mit sich im Reinen. Er ist der Führer, im Berlin des Jahres 2015. [...]

Das der Abend so unterhält, liegt vor allem an Hauptdarsteller Thomas Karl Hagen. Die schnarrende Stimme Hitlers gehört zu den meistparodierten überhaupt. Aber der Schauspieler lässt seinen eben nicht nur große, atemlose Propagandareden brüllen, sondern schafft es auch, den Tonfall beizubehalten, wenn er sich um die junge Frau Krömeyer (Alice Zikeli) bemüht. Da klingt Hitler plötzlich menschlich, schwingen Gefühle mit. [...] So sehr das auch schmerzt: Man entwickelt Sympathien für diesen einzig authentischen Charakter in einer Gesellschaft verlogener Politiker und Medienfuzzis. Und man nimmt ihm sogar ab, wenn ausgerechnet er die Reporterin der Bild-Zeitung ermahnt, mit Juden treibe man keine Scherze.

Sievers‘ Inszenierung treibt die äußere Handlung zügig voran. Das ist geradlinig erzählt, mit auf die Bühnenrückwand projizierten Bühnenbildern und Einspielvideos. Die Regie reiht Momentaufnahmen vom Kiosk, aus dem Büro der TV-Produktionsfirma, TV-Auftritte aneinander. Selbst die Hierarchie der “My-TV“-Leute ist mit kleinen Blicken, mit Nicken herausgearbeitet. Manche Gags sind beiläufig untergebracht, so wie die „Bild“-Ausgabe mit der Schlagzeile, dass der Führer nur einen Hoden hatte, eher unauffällig über die Bühne getragen. Und köstlich ist die Aktualisierung, dass Hitler nicht die NPD aufmischt, sondern den Thüringer AfD-Politiker Björn Höcke (Sven Heiß) als „Weichei“ runterputzt.

So seltsam es sich anfühlt, wenn mit einer der letzten Tabufiguren Scherz getrieben wird: Der Abend ist sehr lustig. Und weil es mehr um heute geht als um das zwölfjährige Reich, ist er reflektierter, als man zuerst denkt.“
Westfälischer Anzeiger, 8.1.16

„Im Bühnenhintergrund wird auf einer großen Leinwand Berlin gezeigt, Alexanderplatz. Im Hellen, im Dunkeln, beleuchtet. Adolf Hitler, großartig gespielt von Thomas Karl Hagen, wacht im Berlin des 21. Jahrhunderts auf [...]. Hitler ruft zunächst irritiert nach Reichsminister Martin Bormann, doch niemand antwortet. Wie Hitler dahin kommt, mitten in Berlin? Die Frage wird nicht gestellt, aber darum geht es auch nicht.

Völkische, rassistische, antisemitische Tiraden – und alle finden das witzig. Selbst das Publikum im Theater muss immer wieder lachen, weil [...] eine gewisse Komik ist nicht zu leugnen. [...] Doch dann hält das Auditorium plötzlich inne. Es ist ein Ritt auf der Rasierklinge, das Lachen bleibt einem im Hals stecken.

Überzeugend waren alle Schauspieler, ein Extralob hat sich Monika Hess-Zanger in der Rolle der Renate Künast verdient. Sie trug – natürlich ein grünes Jackett, wirkte aber ansonsten ebenso farblos wie die echte Renate Künast. Insgesamt sicher eine mutige und textnahe Inszenierung. [...] Kein Wunder, dass bis zum 6.2.16 alle Vorstellungen ausverkauft sind.“
Alles Münster, 8.1.16

„[...] Regisseurin Kathrin Sievers, die diese Inszenierung verantwortet, geht über die Text-Vorlage hinaus, indem sie die Handlung ins Jahr 2015 versetzt. Der Diktator erwacht im heutigen Berlin: Hitler (Thomas Karl Hagen) erscheint in brauner Uniform und wirkt durch Aussehen, Gestus wieso Inhalt und Tonfall seiner Rhetorik unverkennbar. [...] Hitler lernt schnell, sich in unserer aktuellen, auf Erfolg und Quoten fixierten Mediengesellschaft mitsamt ihren Spielregeln zurechtzufinden [...]

Einhalt wird dem absurden Treiben erst geboten, als ausgerechnet rechtsextreme Schläger ihn krankenhausreif prügeln. Doch mittels der dramaturgischen Ironie scheint Hitlers kühl kalkulierte Strategie vollends aufzugehen: Er kann sich in seiner neuen Opfer-Rolle vor Anrufen und Solidaritätsbekundungen der Vertreter der etablierten Parteien kaum retten. [...] Während der mehr als zwei Stunden langen Premiere treibt Regisseurin Kathrin Sievers ihren Hauptdarsteller Thomas Karl Hagen, der seine Hitler-Figur bravurös verkörpert, und die anderen Ensemble-Mitglieder, die jeweils in mehreren Rollen auftreten, durch eine dichte Folge flink gespielter Szenen. Deren Hintergrund wird häufig von Video-Projektionen sinngebend und reizvoll ergänzt (Bühne, Videos und Kostüme: Annette Sievers). So wird in einem multimedialen Ambiente eine detailreiche, stichhaltige und scharfsinnige Satire über die Mediengesellschaft und die Taktiken im politischen Geschäft geschaffen.
Die Glocke, 9.1.16

„[...] Kathrin Sievers hat den Roman „Er ist wieder da“ für die Bühne des Wolfgang Borchert Theaters adaptiert. Sie legt den Fokus auf Medienkritik, führt gekonnt vor, dass ein Quotengeiler, von Aktionären abhängiger Privatsender alles tut, um erfolgreich zu sein. Und diese Bemühungen kommen umso komischer daher, wenn den eiskalten Medienmenschen mit Thomas Karl Hagen ein ebenso entschlossener nicht brüllender, sondern gefährlich leiser Hitler gegenübersteht. [...]
Annette Wolf projiziert die Handlungsorte (eine heruntergekommene Plattenbausiedlung, das noble Hotel Adlon und ein hippes, loftiges Großraumbüro) auf eine Leinwand – kommt deshalb auch mit wenig Requisite aus.

Das gibt Raum für die Akteure. Den nutzt nicht nur der exakt und präzise agierende Thomas Karl Hagen. Auch das gesamte Ensemble des Borchert Theaters stützt sich mit Feuereifer in die Vielzahl der zu verkörpernden Rollen. Und sie machen jeden Rollenwechsel absolut glaubwürdig.

Jürgen Lorenzen als Kioskbesitzer, der sich zum Talentscout berufen fühlt, Hannah Sieh als eiskalte Medienmanagerin Bellini, Florian Bender als Sawatzki füllen die Rollentypen toll aus. Das tun auch Sven Heiß als armseliger Björn Höcke und Monika Hess Zanger als sprachlose (!) Renate Künast. Sabrina vor der Sielhorst verkörpert eine übertölpelte Bildreporterin ebenso überzeugend wie Alice Zikeli die Gothic-Hitlersekretärin.“
Theater pur, 8.1.16