Repertoire

BLUES BROTHERS

John Landis / Dan Aykroyd

Bühnenfassung von Tanja Weidner

Vorstellungsdauer | 2h | Eine Pause
Premiere A | Samstag, 12. September 2026
Premiere B | Sonntag, 13. September 2026
Inszenierung Tanja Weidner
Bühne Kostüme Tom Grasshof
Choreographie Ivana Langmajer
Musikalische_Leitung Jürgen Knautz

Mit den Gesetzen nehmen es die Musiker Jake und Elwood Blues nicht immer so genau, aber sie sind unterwegs im Auftrag des Herrn: Die Band muss nach einem längeren Gefängnisaufenthalt von Jake wieder zusammengebracht werden, um das Waisenhaus zu retten, in dem sie aufgewachsen sind. 5000 Dollar fehlen dem «Pinguin», der Schwester Oberin, die das Heim mit rauem Charme leitet. Also schwingen sich die Brüder in ihr heruntergekommenes Polizeiauto und nehmen es unerschütterlich gelassen mit allen Widersachern auf: der Polizei, verflossenen Liebhaberinnen, einer Horde Neonazis und recht gewaltbereiten Rivalen. Auf dem wohl bekanntesten Roadtrip der Musikgeschichte sprengen sie alle Konventionen und verwandeln jede Hürde scheinbar beiläufig in einen musikalischen Höhepunkt . . .

Die Band The Blues Brothers war ursprünglich als Aufwärmprogramm für die NBC-Show Saturday Night Live gedacht. Doch das Gag-Projekt von den Schauspielern John Belushi und Dan Aykroyd war derart erfolgreich, dass sich John Landis der Verfilmung (1980) annahm, die rasch zum Kult wurde, auch durch die Mitwirkung zahlreicher Weltstars des Blues wie Aretha Franklin, James Brown, Cab Calloway, Ray Charles und Matt Murphy.

Diese Produktion wird gesondert gefördert durch Optik Kalthoff. 

Mehr Spaß geht kaum. Sehenswert.

Mit «Blues Brothers» startet das Wolfgang Borchert Theater in seine neue Spielzeit. Einen kraftvolleren Startschuss hätte es kaum geben können. Jake und Elwood stürmen das Theater, die Band legt los, das Ensemble wirft sich mit einer Lust ins Vergnügen, die ansteckt. Irgendwann hält es auch das Publikum kaum noch auf den Sitzen. So viel Spaß und Spielfreude, so viel Aufbruch und elektrisierende Anarchie waren an dieser Stelle lange nicht zu erleben. Das passt. Schließlich steht die neue Spielzeit unter dem Motto «Work-Blues-Balance». Tanja Weidner hat es sich als Intendantin ausgedacht, um der Spielzeit eine ermutigende Perspektive zu geben. Nach dieser Premiere darf sie sich bestätigt fühlen. Die Rechnung ist aufgegangen, die Botschaft, soweit man sie so nennen mag, angekommen. Dabei ist es nicht ganz ungefährlich, ausgerechnet die „Blues Brothers» auf die Bühne zu holen. Man tritt gegen einen der bekanntesten Musik-Kultfilme an, dessen Bilder, Figuren und Songs sich seit 1980 tief ins Gedächtnis mindestens einer Generation eingebrannt haben. Schwarzer Anzug, schwarzer Hut, schwarze Sonnenbrille. Ein ausrangiertes Polizeiauto. Aretha Franklin, James Brown, Ray Charles und zwei Brüder, die ziemlich viele Gesetze brechen, aber trotzdem fest davon überzeugt sind, im Auftrag des Herrn unterwegs zu sein. Gregor Eckert und Florian Bender brauchen nicht lange, um als Jake und Elwood identifiziert zu werden. Die Anzüge sitzen, die Hüte auch, die markanten Sonnenbrillen sowieso. Es besteht Verwechslungsgefahr. Eckert gibt Jake mit körperlicher Energie, Bender hält als Elwood mit stoischer Gelassenheit dagegen, die selbst dann nicht verloren geht, wenn um die beiden herum gerade wieder etwas explodiert oder auf sie geschossen wird. The boys are back. Die Geschichte ist bekannt und zugleich so herrlich absurd, dass man sie ruhig noch einmal erzählen darf. Jake Blues, genannt «Joliet» Jake, wird nach drei Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Bruder Elwood holt ihn in einem ausgemusterten Polizeiwagen ab, dem legendären Bluesmobil. Ein unauffälligeres Gefährt hat er nicht auftreiben können, außerdem kann es der 300-PS-Motor sicherlich ohne Mühe mit jedem Verfolger aufnehmen. Gemeinsam fahren sie zum katholischen Waisenhaus, in dem sie aufgewachsen sind. Dort erfahren sie vom «Pinguin», der wenig zimperlichen und gestrengen Schwester Oberin, wunderbar gespielt von Ivana Langmajer, dass 5.000 Dollar fehlen. Ohne das Geld droht dem Heim das Aus. Also muss Geld her. Ehrlich verdient natürlich, für die beiden Ganoven eine ganz besondere Herausforderung. Die alte Band wird wieder zusammengetrommelt, ein Benefizkonzert soll die Rettung bringen. Dass Jake und Elwood auf ihrem Weg dorthin einen beträchtlichen Teil der öffentlichen Ordnung außer Kraft setzen, gehört offenbar zu einer göttlichen Mission. Polizisten, Neonazis und eine schwer bewaffnete Exgeliebte, köstlich gespielt von Rosana Cleve, heften sich an ihre Fersen. Das Bluesmobil wird verfolgt, beschossen und ramponiert. Nur Jake und Elwood bleiben ungerührt. Der Herr wird’s schon richten. Gottvertrauen hilft. Tanja Weidner versucht gar nicht erst, John Landis’ Film auf der Bühne nachzubauen. Wie sollte das auch gehen? In der Filmgeschichte wurde schließlich selten mit solcher Hingabe Blech zerlegt. Rund 100 Autos mussten bei den Dreharbeiten dran glauben. Tom Grasshof findet für Bühne und Kostüme eine bessere Lösung. Seine abstrakte Stahlkonstruktion lässt genügend Raum für die Fantasie, und wenn Jake und Elwood samt verfolgender Polizisten schließlich auf vier Autoreifen über die Bühne reiten, braucht kein Mensch mehr ein echtes Auto. Die Stahlkonstruktion setzt sich in Bewegung, wird gedreht und geschleudert, dass es die beiden Protagonisten kaum auf ihren imaginären Sitzen hält. Ohnehin lebt diese Inszenierung nicht von der Frage, wie möglichst viel Film auf die kleine Bühne passt. Sie lebt vom Tempo, vom Spielwitz und vor allem von der Musik. Jürgen Knautz an Bass, Gitarre und Keyboard, Withold Grohs am Saxofon und Gereon Homann am Schlagzeug geben dem Abend seinen Puls. Und der ist ziemlich hoch. Mitunter vergisst man, dass man mitten in einer Theaterinszenierung sitzt. Streckenweise wähnt man sich tatsächlich in einer jener mitreißenden «Blues Brothers»-Shows. «Gimme Some Lovin’», «Everybody Needs Somebody» oder «Sweet Home Chicago» sind musikalische Erinnerungsstücke für Menschen, die 1980 schon ins Kino durften. Die Songs funktionieren immer noch. Erst wippen die Füße, dann wird geklatscht, zwischendurch auch mitgesungen. Der Funke springt nicht nur über die Rampe, er macht sich im Zuschauerraum ziemlich selbstständig. Ivana Langmajer hat als Choreografin dafür gesorgt, dass dieser Groove auch in den Körpern des Ensembles steckt. Sie selbst tritt als Aretha Franklin auf. Ihr «Think» gehört zu den Höhepunkten des Abends: kraftvoll, stimmgewaltig und mit großer Selbstverständlichkeit gespielt und gesungen. Das kann einem vor Begeisterung schon einmal die Tränen in die Augen treiben. Langmajer ist daneben auch noch der «Pinguin», jene Schwester Oberin, die Jake und Elwood einst das Fürchten lehrte und nun das Waisenhaus retten muss. Auch die übrigen Ensemblemitglieder werfen sich mit schier unglaublicher Spielfreude in ihre wechselnden Rollen. Rosana Cleve macht aus der «Mysterious Woman» eine wunderbar schießwütige Sprengmeisterin. Ihr Liebeskummer äußert sich bevorzugt in erheblichem Sachschaden. Katharina Hannappel und Niclas Kunder verfolgen als Cops die Blues Brothers mit einer irrwitzigen Hartnäckigkeit, die «Police Academy» lässt grüßen. Und dann ist da Meinhard Zanger. Der frühere Intendant des WBT wechselt Rollen und Kostüme und zeigt ganz nebenbei, dass man für einen großen Auftritt nicht zwingend eine große Szene braucht. Als Curtis steht er plötzlich allein auf der Bühne. Er muss Zeit überbrücken, bis die legendären Blues Brothers endlich auftreten. Was als Überbrückung beginnt, wird zu einem der schönsten Momente des Abends. Bei «Minnie the Moocher» hat Zanger sein Publikum in der Hand, dirigiert den Saal und bringt ihn zum Mitsingen. Ein alter Theaterfuchs weiß eben, was zu tun ist, wenn man ihn allein auf die Bühne lässt. Gänsehaut. Tanja Weidner verlässt sich nicht allein auf den Kultstatus des Films. An einer Stelle holt sie die Geschichte überraschend und ziemlich geschickt in die Gegenwart. Den Baptistenprediger, den im Film James Brown spielte, übernimmt Katharina Hannappel. In ihre Predigt fließen Worte der Washingtoner Bischöfin Mariann Edgar Budde ein, die Donald Trump am 21. Januar 2025 beim Gottesdienst in der Washington National Cathedral direkt ansprach und ihn um Barmherzigkeit für Menschen bat, die Angst vor seiner Politik haben. Wir wissen: Trump was not amused. Er war stinkesauer und fühlte sich vor den Augen der Welt vorgeführt. Das passt erstaunlich gut in diese vollkommen überdrehte Geschichte. Schließlich waren die «Blues Brothers» nie nur Klamauk. Ihre Musik kommt aus einer afroamerikanischen Tradition, ihr anarchischer Witz richtet sich gegen Autoritäten, Rassisten und selbst ernannte Ordnungshüter. Dass nun ausgerechnet eine Frau von der Kanzel herab einem Präsidenten ins Gewissen redet, der Widerspruch bekanntlich schlecht verträgt, gibt der Predigtszene einen neuen Ton. Danach darf wieder ordentlich Unsinn gemacht werden. Davon gibt es reichlich. Als die Blues Brothers im sogenannten Hühnerstall, einer typischen Country-und-Western-Kneipe mit Schutzgittern vor der Bühne, auftreten, hagelt es Buhrufe, Missfallenskundgebungen und Bierdosen. Das Publikum wird ins Geschehen hineingezogen, Verfolger tauchen auf und verschwinden wieder, Kostüme wechseln im Eiltempo. Die Handlung rast weiter, als müsse das Waisenhaus tatsächlich noch vor Mitternacht gerettet werden. Dabei verliert die Inszenierung nie ihren eigentlichen Motor: die Musik. Spätestens beim vorhersehbaren und trotzdem unvermeidlichen «Jailhouse Rock» ist der Widerstand gebrochen. Das komplette Ensemble tobt als Gefängnistruppe über die Bühne, der Saal klatscht, jubelt und singt. Für einen Moment scheint es durchaus möglich, dass einige Zuschauer am liebsten über die Rampe klettern und mitmachen würden. Sie tun es nicht. Münster bleibt Münster. Das Premierenpublikum am Samstagabend war trotzdem förmlich außer Rand und Band. Frenetischer Szenenapplaus, stehende Ovationen und eine musikalische Extrazugabe. Regisseurin Tanja Weidner, Ensemble und Band werden gefeiert. Verdient, denn diese «Blues Brothers» versuchen nicht, einen Kultfilm möglichst originalgetreu nachzuspielen. Sie nehmen seine Musik, seinen Irrsinn und seine unerschütterliche Lust am Regelbruch und machen daraus Theater. Tanja Weidner hat einmal gesagt, dass sie bei diesen Songs sofort spüre, wie «Mut, Humor, Hoffnung, Optimismus, Lebensfreude, Sehnsucht und vielleicht auch ein bisschen Trotz» in ihr angeknipst würden. Nach gut zwei Stunden weiß man ziemlich genau, was sie meint. Der Blues zum Beginn der neuen Spielzeit ist erst einmal vertrieben. Wie lange die Wirkung anhält, lässt sich nicht beantworten. Im Zweifel hilft eine weitere Vorstellung. Diese «Blues Brothers» darf man nicht verpassen, solange sie noch in der Stadt sind. Mehr Spaß geht kaum. Sehenswert. [Westfalium]
 

Termine & Karten

Januar

Keine Ergebnisse gefunden

Januar