Repertoire

NEIN ZUM GELD!

Flavia Coste

Deutsch von Michael Raab

Vorstellungsdauer | 2h | Eine Pause
Premiere A | Donnerstag, 22. Januar 2026
Premiere B | Freitag, 23. Januar 2026
Inszenierung Andrea Krauledat
Bühne Kostüme Tom Grasshof
Dramaturgie Laura Ritter

Richard ist ein Glückspilz. Er hat 162 Millionen Euro im Lotto gewonnen. Das verspricht ein Leben im Rausch, ohne Sorgen, offene Rechnungen und voller Möglichkeiten – von schönen Reisen über ein größeres Haus bis hin zu Wohltätigkeiten. Doch beim gemeinsamen Abendessen eröffnet er seiner Frau Claire, seiner Mutter Rose und seinem besten Freund Etienne, dass er den Gewinn nicht annehmen wird. Was als ruhige Mitteilung beginnt, eskaliert zu einer Diskussion um Werte, Prinzipien und pure Verzweiflung. Ist Richard ein Narr oder ein Visionär? Hat er sich aus der Abhängigkeit des Geldes befreit – oder sich selbst ins soziale Abseits katapultiert? Was, wenn er den Gewinn doch noch einlöst? Und was, wenn nicht? Wie weit sind die drei bereit, zu gehen . . .?

NEIN ZUM GELD! wurde 2017 in Paris uraufgeführt und ist zwei Jahre später im Renaissance Theater Berlin in der deutschen Uraufführung zu sehen gewesen. Für die schräge Gesellschaftssatire kehrt nach ihrer Erfolgsinszenierung KALTER WEISSER MANN die Mindener Intendantin Andrea Krauledat ans WBT-Regiepult zurück und stellt sich der Frage: Ist Geld ein himmlisches Geschenk oder eine teuflische Bürde?

So heiter prickelig und anregend wie ein Glas Champagner...

«Nein zum Geld!» ist die neue Produktion am Wolfgang Borchert Theater in Münster: eine rabenschwarze, höchst witzige Gesellschaftssatire, die das Potenzial hat, zum Publikumsliebling und Kassenschlager der aktuellen Spielzeit zu werden. In der vergangenen Woche feierte das Stück seine Premiere mit langanhaltendem, tosendem Applaus und einer fulminant ausgespielten musikalischen Zugabe. «Nein zum Geld!» handelt nicht nur von einem schier unglaublichen Glücksfall, die Aufführung ist selbst einer. In dieser Inszenierung greifen Text, Spiel und Ausstattung so ineinander, dass ein Abend entsteht, der leichtfüßig beginnt und zunehmend an Schärfe, Bitterkeit und Verzweiflung gewinnt. Der geschliffene Text der französischen Erfolgsautorin Flavia Coste liefert das Fundament, Andrea Krauledat inszeniert mit einem exzellenten Gespür für Rhythmus, Pointen und eine gehörige Portion explosiver Dramatik, Tom Grasshof stattet Bühne und Kostüme bis ins Detail präzise und mit grandiosen Einfällen aus. Dazu kommt ein total inspiriertes Ensemble, das sichtbar Lust am Spiel hat und die Zuspitzung bis an ihre Grenzen treibt. Inszeniert hat «Nein zum Geld!» Andrea Krauledat – als Gast, denn eigentlich ist sie Intendantin am Mindener Theater. Im vergangenen Jahr hat sie bereits mit «Kalter weißer Mann» eine gefeierte Komödie am Borchert Theater hingelegt. Ihr gelingt es in der neuen Inszenierung den französischen Charme des Stückes in eine rasante Screwball-Comedy zu übersetzen, bei der jede Pointe und jede noch so kleine Geste der Darsteller sitzt. Überragend Katharina Hannappel, die sich mit der Rolle der Rose geradezu selber übertrifft und ihr komödiantisches Talent zeigt. Außerdem brilliert Rosana Cleve als Ehefrau Claire und man ist heilfroh, dass sie nach einer halbjährigen Auszeit als Schauspielerin wieder ins Ensemble zurückgekehrt ist. Im Mittelpunkt steht Richard Carré (Florian Bender), ein erfolgloser Architekt mit verrückten Ideen, der seinen größten Coup ganz still und heimlich einfährt: sechs Richtige im Lotto, 162 Millionen Euro mit dem Hochzeitsdatum seiner Eltern. Ein Gewinn, der das Leben für ihn und seine kleine Familie auf einen Schlag verändern könnte. Doch Richard zögert. Statt Euphorie setzt er auf eine Bedenkzeit von zwei Monaten, in denen er prüft, was dieser Reichtum mit ihm, seiner Familie und seinem Umfeld anrichten könnte. Beim gemeinsamen Abendessen eröffnet er schließlich seiner ach so begehrenswerten Frau Claire (Rosana Cleve), seiner ziemlich überkandidelten Mutter Rose (Katharina Hannappel) und seinem besten Freund Etienne (Gregor Eckert), dass er den Gewinn nicht annehmen will. Seine Begründung ist ebenso schlicht wie provozierend: Er ist gänzlich zufrieden mit seinem Leben. Er fürchtet, dass Geld das fragile Gleichgewicht seines Lebens zerstören könnte. Was ist mit all den Neidern? Und denjenigen, die ihm vielleicht wegen seines Reichtums an die Wäsche wollen könnten?! Was als sachliche Mitteilung seiner Entscheidung beginnt, kippt rasch und das Drama nimmt seinen Lauf. Die Reaktionen der anderen schwanken zwischen Unverständnis, Enttäuschung und offener Aggression. Cleve zeigt Claire als Figur mit vielen Schattierungen: verführerisch, berechnend, verletzlich, dann wieder gnadenlos und eiskalt. Hannappel verleiht der Mutter Rose eine bitter-ironische Härte, hinter der alte Verletzungen und ihre Sehnsucht nach Luxus und einem erotisch erfüllten Leben lauern. Ihre Dates enden fast immer enttäuschend, selbst wenn sie sich ordentlich herausputzt und aufbrezzelt. Eckerts Etienne changiert zwischen kumpelhafter Loyalität und nacktem Eigeninteresse. Er will endlich Erfolg sehen und seine Kohle zurück, die er wegen unzähliger gescheiterter Projekte schon in die Firma gesteckt hat. Krauledat treibt den Lauf des Abends konsequent in die Eskalation. Das Abendessen wird zum Tribunal, Argumente werden zu Waffen, Nähe schlägt in Bedrohung um. Claire, Rose und Etienne verbünden sich, um Richard nach der Devise zu überreden «Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt», schließlich geht es doch längst nicht mehr alleine um ihn. Die Zeit drängt: Um Mitternacht verfällt der Lottoschein. Die Aussicht auf den Verlust schürt Panik, Verzweiflung und schließlich auch nackte Gier. Wenn das Geschehen ins Groteske kippt, fliegen die Fetzten. Das angekokelte Hähnchen wird mit dem Salat auf den Küchentisch gepfeffert. Das verzweifelte Essen wird zur Farce, die an Klassiker wie «Das große Fressen» oder Buñuels «Der diskrete Charme der Bourgeoisie» erinnern. Doch das Lachen bleibt nie unbeschwert. Die Anarchie steuert direkt auf eine Katastrophe hin. Hinter der Überzeichnung lauert permanent die Frage, wie dünn die Schicht der Zivilisation tatsächlich ist, wenn es um Geld geht. Subtil und mit geradezu hinterfotzigem Humor stellt das Stück die Frage nach dem Wert des Geldes und nach seinem Preis. Ist der Gewinn ein Geschenk oder eine Bürde? Und was bleibt von Moral, Freundschaft und Liebe, wenn eine Zahl mit sechs und mehr Nullen im Raum steht? Hier geht es um 162 Millionen Euro! Tatsächlich hegen die meisten von uns insgeheim den Traum, einmal stinkereich zu sein und sich alle kleinen und großen Wünsche erfüllen zu können. In Deutschland spielen deswegen derzeit rund sieben Millionen Menschen regelmäßig Lotto oder Toto, und etwa 21 Millionen beteiligen sich zumindest gelegentlich am Lottospiel. Und so mag es nicht verwundern, dass sich die Zuschauer während des Stückes immer wieder bei der Frage ertappen, wie sie selbst mit so einem absurd hohen Lottogewinn umgehen würden und ob auch sie in ähnlicher Situation in Versuchung geraten und zur Tat schreiten würden. «Ich wär so gerne Millionär. Dann wär mein Konto niemals leer. Ich wär so gerne Millionär. Millionenschwer. Ich wär so gerne Millionär. Geld, Geld, Geld…» singen die Prinzen. Die musikalischen Einschübe durchbrechen geschickt den boulevardesken Fluss des Abends. Mit «Money makes the world go round» aus dem Musical «Cabaret» kommt das Stück auf den Kern des Problems. Denn: Geld verdirbt den Charakter, lässt Menschen kriminell werden, ermutig zu manchem Verbrechen – zu Betrug, gar Mord und Totschlag. Für kurze Momente verwandelt sich das Geschehen in eine Art Traumsequenz, fast märchenhaft, bunt, schrill und tatsächlich so verspielt wie ein Musical. Gerade diese Brüche verleihen der Inszenierung zusätzliche Tiefe und sorgen regelmäßig für spontanen Zwischenapplaus, zumal die vier Darsteller alles geben. Bravo für Gesang, Tanz und Choreographie! «Nein zum Geld!» ist eine musikalische aufgedrehte und zugleich geistreiche Komödie. Das Stück garantiert einen unterhaltsamen Abend mit einigen Aperçus, Widerhaken und Impulsen zum Nachdenken. Er ist so heiter prickelig und anregend wie ein Glas Champagner. Unbedingt hingehen und sich köstlich unterhalten lassen! [Westfalium]
 

Leichte Kost vor ernstem Hintergrund

Wie würde man reagieren, wenn ein nahestehender Mensch 162 Millionen Euro im Lotto gewinnt, sie aber in den wind schießt? Die Frage ist eine Überlegung wert. Architekt Richard (Florian Bender) jedenfalls erlebt sein blaues Wunder, als er seine Lieben mit der Nachricht von seinem Verzicht konfrontiert. Leichtfüßig nimmt sich das Wolfgang Borchert Theater in Münster sein «Nein zum Geld!» vor. Er wollte so gerne ein Held sein, einer, der die Kraft entwickelt, nicht aufs Geld reinzufallen. Richard hat Ehefrau Claire (Rosana Cleve), sein neugeborenes Kind, seine Mutter Rose (Katharina Hannappel) und seinen Freund Etienne (Gregor Eckert) – und wegen ihnen hat er auf die Riesensumme verzichtet. Es soll alles so bleiben, wie es ist. Liebe muss reichen. «Nein zum Geld!» von Flavia Coste wartet auf diese Ankündigung hin mit der ganzen Palette menschlicher Gefühlsreaktionen auf – bis hin zu Mordgelüsten -, wobei das Stück unter der Regie von Andrea Krauledat im Boulevardesken bleibt und sich auf das Groteske, das Rabenschwarze der Situation konzentriert. Dabei ist es schon witzig, wie sich Richards Mutter (Katharina Hannappel) vom Schock so gar nicht erholen will und noch nach Minuten Luft schnappend über den Boden kraucht. Aber eine wie auch immer geartete Auseinandersetzung mit Geld – und was es aus zivilisierten Menschen machen kann – findet leider nicht statt. Es bleibe leichte Kost vor ernstem Hintergrund. An nachdenklichen Ansätzen versucht sich nur Richard – und Florian Bender interpretiert ihn gut. Der Rest der Anwesenden kollabiert unkontrolliert und unreflektiert vor sich hin, darf zwischendurch sogar Lieder singen und tanzen («Ich wär‘ so gerne Millionär», «No matter what»), was das Premierenpublikum am Donnerstagabend schließlich sogar eine Zugabe einfordern lässt. Dabei harmonieren die Schauspieler in der temporeichen Aufführung gut, die Pointen sitzen («Mit dem Geld hättest du ganz Afrika mit Trinkwasser versorgen können») und vielleicht fiebert man sogar ein bisschen mit, wenn Richards Umfeld versucht, ihm den Lottoschein, den er verschluckt hat, regelrecht aus dem Mund herauszuoperieren. Das Bühnenbild spiegelt am Ende das Desaster wieder: Wohnzimmer und Küche sind zu einem Schlachtfeld verwandelt – parallel zu den in die Brüche gegangenen Beziehungen. [Die Glocke]
 

Verdienter Jubel

Nach der Premiere im Wolfgang-Borchert-Theater zu Hause angekommen, fragt der Rezensent: «Was würdest du machen, wenn ich 162 Millionen Euro abgelehnt hätte?» Von seiner zu diesem Zeitpunkt im Halbschlaf befindlichen Verlobten erntet er ein Grummeln, das er als «Was redest du für einen Quatsch?» deutet. Immerhin versucht sie nicht, ihn mit einer Wodkaflasche zu erschlagen. Der Protagonist in «Nein zum Geld» hat da entschieden weniger Glück. Dabei hatte er genau davon jede Menge, sollte man meinen. Er ist nicht nur glücklich verheiratet (Rosana Cleve), Vater eines gesunden Neugeborenen und genießt weitgehende Kunstfreiheit in seinem Architektenjob – Richard (Florian Bender) hat im Lotto einen schwindelerregenden Betrag gewonnen. Und genau da liegt das Problem. Richard lädt seine Mutter (Katharina Hannappel) und seinen Chef (Gregor Eckert) ein, der gleichzeitig sein bester Freund ist. Richard will anstoßen, allerdings nicht auf den Gewinn, sondern darauf, dass er selbigen abgelehnt hat. Prompt macht seine Gesellschaft nahezu alle Phasen der Trauer durch. Schock, Wut, Verhandeln, Depression – nur bei der finalen Akzeptanz hakt es. Denn, so viel sei verraten: Eine Wende oder gar ein Happy Ending gibt es in Andrea Krauledats Inszenierung nicht. Dafür wandelt sich das zu Anfang rasante Kammerspiel vor der Pause abrupt in Richtung Musical. Es folgen Gesangseinlagen, in denen sich das Publikum regelrecht krumm lacht. Wie oft erlebt man schon, dass im Schauspiel lauthals eine Zugabe gefordert wird, die das Ensemble auch noch prompt liefert? Diese Momente lenken ein wenig davon ab, dass dass Stück der Französin Flavia Coste eine hundsgemeine Satire auf das Wesen des Geldes ist. Eigentlich hat Richard seinen Lieben ja nichts getan, ihre Situation nicht verschlechtert. Trotzdem bringt seine Entscheidung das Schlimmste in allen zum Vorschein – Mordgelüste inklusive. Seine Bedenken, das Geld würde nur Verderben bringen, bestätigen sich – nur ganz anders als er das befürchtet hatte. Das Stück ist allerdings keine schwarzweißmalerische Parabel mit der Moral «Geld macht nicht glücklich». In jeder Bosheit stecken Beweggründe, die wohl jeder im Theatersaal nachvollziehen kann. In jeden noblen Idealismus mischt sich Blauäugigkeit. Das Ensemble ergründet all diese Facetten genussvoll und erntet damit verdienten Jubel. [Westfälische Nachrichten]
 

Eine fabelhafte Besetzung

Claire ist sauer. Besser gesagt: Sie kann nicht fassen, was sie da gerade erfahren hat. Offenbarte Ehemann Richard ihr doch, dass er einen gewaltigen Lottogewinn nicht angenommen hat. Der eher erfolglose Architekt glaubt, dass das große Los von 162 Millionen Euro ihn und seine Lieben unglücklich machen würde. Was seine Frau, seine Mutter und sein befreundeter Brötchengeber etwas anders sehen. Während also Mutter Rose und Freund Etienne durch die Wohnküche der kleinen Dachgeschosswohnung toben, um Richard noch zur Besinnung zu bringen, pfeffert Claire wie von Sinnen den Salat fürs gemeinsame Essen aus der Tüte in die Schüssel. Die Schauspielerin Rosana Cleve tut das auf der Bühne des Wolfgang-Borchert-Theaters in Münster mit einer solch brutalen Inbrunst, dass das Publikum auch um das Schicksal ihres Gatten fürchten muss. Und wenn später dunkle Gedanken bei den drei Fassungslosen aufkeimen, betont Claire zwar: „Wir sind ja keine Monster!“ Aber auf Rosana Cleves Gesicht spiegelt sich pure Mordlust. Nein zum Geld! heißt das Stück der französischen Autorin Flavia Coste, in dem rund um den verschrobenen Idealisten Richard die emotionalen Dämme brechen. Mutter Rose etwa, schrill gespielt von Katharina Hannappel, sucht als nur oberflächlich lustige Witwe nach einem Partner und krankt an den Folgen einer tragisch verlaufenen Zwillings-Schwangerschaft. Der ach so lockere Etienne gesteht angesichts des greifbar nahen Geldes, dass er sich in Wahrheit längst verzweifelt nach der Decke streckt und seinen Freund immer geschützt hat: Gregor Eckert gibt ihn mit forcierter Schnoddrigkeit. Lehrerin Claire schließlich muss als junge Mutter auch noch fürs Familieneinkommen sorgen, weil ihr Gatte das nicht schafft. Wenn sie sich angesichts der neuen Lage mit ihrer Schwiegermutter fetzt, weil beide einander die Schuld an Richards gepamperter Lebensweise vorwerfen, zeigen sich Urkonflikte, über die man bislang hinweglächelte. Autorin Coste hat diese vertraut anmutenden Probleme in eine Komödienhandlung gepackt – und Regisseurin Andrea Krauledat spart nicht an satten Boulevard-Späßen. In der passgenauen Ausstattung Tom Grasshofs geht es deftig, bisweilen auch derb zur Sache, die Gürtellinie wird auch mal unterschritten. Nach der Pause der gut zweieinviertel Stunden langen Aufführung gibt es das große Fressen eines verbrannten Hähnchens, und Songs wie «Money makes the world go around» oder «No matter what» sorgen, vom Ensemble mit großer Spielfreude dargeboten, für eine Premierenstimmung, die trotz tragischer Schlusspointe in «Zugabe»-Rufe mündete – die gab es dann auch. Keine Frage: In dieser Inszenierung sind die Lach-Effekte weitaus wirkmächtiger als der ernste Hintergrund und das Schreckensbild des Finales. An die Raffinesse eines Yasmina-Reza-Stücks denkt man besser nicht. Schauspieler Florian Bender als schluffiger Richard aber, dessen Lottoschein doch noch eine Rollte spielt, ohnehin eine fabelhafte Besetzung. Dass er aber die Premiere trotz einer gravierenden Verletzung rettete und selbst mit Krücke hinreißend über die Bühne tänzelte, sicherte ihm die besondere Zuneigung des Publikums. [theater:pur]
 

Besser als das WBT kann man diese Komödie nicht auf die Bühne bringen...

162 Millionen Euro – eine absurd hohe Summe war im Jackpot. Und Richard hat sie gewonnen. Aber er will das Geld nicht haben, der Lottoschein hängt vergessen am Kühlschrank. Kurz vor Ablauf der Frist, in der man ihn einlösen kann, sagt er seiner Ehefrau, seiner Mutter und seinem besten Freund, warum er auf den Gewinn verzichtet. Geld verdirbt den Charakter und macht unglücklich. Richard ist mit seinem Leben zufrieden, wie es ist. Was er nicht bedacht hat: Die anderen sind es nicht. «Nein zum Geld!» ist eine Komödie, die leicht und witzig anfängt und dann ans Eingemachte geht. Gemahlin, Mutter und Freund von Richard denken nur noch daran, wie sie an den Lottoschein kommen können. Schließlich sind sie zu allem bereit und schmieden Mordpläne. Sogar das frisch geborene Kind, das oft im Nebenzimmer schreit, ist irgendwann völlig egal. Denn alle haben Probleme, wollen sich Träume erfüllen, verstehen überhaupt nicht, wieso Richard kein Millionär sein will. In einem herrlich realistischen Bühnenbild von Tom Grasshof wird es explosiv. Überrragend spielt Rosana Cleve die gestresste Ehefrau, wechselt in Sekundenbruchteilen vom Charmanten ins Monströse, bringt eine umwerfende Energie auf die Bühne. Die junge Katharina Hannappel spielt wunderbar komödiantisch eine Frau, die 40 Jahre älter ist als sie selbst, Richards Mutter. Und Gregor Eckert bringt als bester Freund und Arbeitgeber auch ein bisschen Tragik ins Geschehen. Denn seine Firma steht kurz vor der Pleite, was er Richard verschwiegen hat, um ihn zu schonen. Andrea Krauledat hat die wortwitzige Komödie mit einigen Showeinlagen bereichert. Das enorm sanges- und tanzfreudige Ensemble präsentiert Musicalmelodien und Popsongs rund ums Geld und die Liebe. Das lockert die Handlung auf und macht den ohnehin schon witzigen und scharfkantigen Abend noch kurzweiliger. Florian Bender spielt Richard mit sympathischer Naivität und Weltfremdheit. Andererseits stellt man sich die Frage: Handelt er nicht auch völlig egoistisch, wenn er die Probleme seines engen Umfelds nicht sieht? Flavia Coste hat eine abgründige Komödie geschrieben. Besser als das Wolfgang-Borchert-Theater kann man sie kaum auf die Bühne bringen. [WDR 4]
 

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