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Kartentelefon
George Brant
22 | AM BODEN (Grounded)
Schauspiel. Übersetzt von Henning Bochert.
Wiederaufnahme | Donnerstag, 8. Dezember 2016 | 20 Uhr
Vorstellungsdauer | 1 1/2 Std.

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Fotos: © Klaus Lefebvre


Eine junge F-16-Pilotin der US Airforce, unerschrockene und erfolgreiche Kämpferin, wird ungewollt schwanger. Ihre Vorgesetzten halten es für besser, sie nicht mehr in Kriegsgebieten einzusetzen, sondern Zuhause, am Boden: als Pilotin einer Kampfdrohne. Weit weg vom Kampfgebiet, im 8.000 Meilen entfernten Las Vegas, sitzt sie fortan in 12-Stunden-Schichten am Computersystem, das die Drohne fernsteuert. Selbst ferngesteuert von den "Leuten im Kopfhörer", die ein Urteil sprechen, ehe sie die tödlichen Bomben abwirft. Sie ist im Krieg und fährt doch Abend für Abend nach Hause zu Mann und Kind, als wäre nichts gewesen. Bis die Grenzen verwischen und die scheinbar heile Welt zerreißen muss.

Ein furioser, hochaktueller Monolog über die bizarren Auswüchse virtueller Kampftechniken.

Der amerikanische Autor George Brant hat für "Grounded", wie das Stück im Original heißt, gründlich recherchiert. Soldaten, die fernab jeglicher Gefahr für das eigene Leib und Leben an den Joysticks der Drohnensteuerungen sitzen, erleiden ebenso posttraumatische Belastungsstörungen wie ihre Kollegen im nicht-virtuellen Krieg. AM BODEN ("Grounded") erlangte nach der Uraufführung 2013 rasch nationalen und internationalen Erfolg und wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, darunter The Smith Prize und der Scotsman Fringe First Award. Am Düsseldorfer Schauspielhaus wurde es im Mai 2015 zum ersten Mal in deutscher Sprache aufgeführt. 

Inszenierung, Bühne & Kostüme | Meinhard Zanger
Videos | Alexander Ourth


Mit | Hannah Sieh


PRESSESTIMMEN

Hannah Sieh, sitzend auf einer Bühnenkonstruktion, die halb an ein Gefängnis, halb an einen Container erinnert, beginnt zu erzählen. Sie ist stolze Pilotin und liebt es, im Kampfeinsatz zu sein. „Allein in der Leere“, beschreibt sie das Gefühl, das sie überkommt, sobald sie sich mit ihrem „Tiger“ in die Lüfte schwingt. [...] Die Schrecken des Krieges? Verklärt in der patriotischen Überzeugung, das Richtige zu tun. Es gibt die Guten und es gibt die Bösen. Sie steht selbstverständlich auf der Seite der Helden. [...]

Es dauert jedoch nicht lange, dann ist dieses Kapitel ihres Lebens beendet. Die Pilotin wird schwanger, heiratet und wird künftig an der Steuerung einer unbemannten Drohne eingesetzt. [...] Die Dinge geraten aus dem Ruder. [...] Dies ist kein Computerspiel, es sind echte Menschen, deren herum fliegende Körperteile durch die Kamera noch zweifelsfrei zu erkennen sind. [...]

In der punktgenauen Inszenierung von Meinhard Zanger, der[...] auch für Bühne und Kostüm verantwortlich zeichnet, erwacht der Monolog nun zum Leben. Gewehrsalvengleich feuert Hannah Sieh den Text über die Rampe, wechselt präzise von der Erzählebene in die von der Figur zur Sekunde erlebten Realität. [...] Je mehr sie sich bemüht, die Struktur ihrer Routine zu halten, desto stärker verschwimmt ihre Wahrnehmung, desto mehr verschwindet auch die Distanz zum eigentlichen weit entfernten Kriegsgebiet. Maßgeblicher Aspekt in der Inszenierung ist auch die Lichtregie, bereichert durch Videoeinspielungen von Alexander Ourth. Ein eigenes fürs Borchert Theater entwickeltes digitales Modell der Drohne sowie Kamerabilder, die die Perspektive der Pilotin auf einige Bühnenelemente und die Rückwand zaubern, schaffen im abstrakten Raum klare Verortungen.

Nach eineinhalb Stunden Erstaunen im Saal: Die Zeit verging wie im Fluge. Eine grandiose Inszenierung, die zeigt wie tief berührend hoch politisches Theater sein kann. [...]
Alles Münster, 14.12.15

Sie war so stolz auf ihren Job. Durch das Blau fliegen, Ziele anvisieren, der Gefahr feindlicher Abwehr ausweichen, als Frau im F 16 ein ganzer Kerl sein. Doch jetzt, nachdem sie einen Mann gefunden und ein Kind geboren hat, darf sie nicht wieder ins Flugzeug zurück. Denn die Kriegszeiten haben sich geändert, und nun sitzt sie [...] vor einem Monitor mit der Hand am Joystick, steuert eine Drohne und zerstört per Knopfdruck Fahrzeuge und Menschen in einem fernen Erdteil.

„Am Boden“ (Grounded) ist ein Solostück des Amerikaners George Brant, das genau in die aktuelle politische Lage passt. Denn die Pilotin [...] erleidet beim distanzierten Töten im Team einen größeren psychischen Schaden, als wäre sie direkt mit dem Kampfflugzeug unterwegs. Ihre Autofahrten durch die Wüste bei Las Vegas und das Bild ihrer kleinen Tochter vermischen sich schließlich mit den Bildern auf dem Monitor: Sie glaubt, ihr eigenes Kind abzuschießen. [...] Im Zentrum steht die Psyche der Pilotin: wie sie zunächst auf rustikale Art mit sich im Reinen ist und durch den Krieg vom Bürosessel aus zerbricht.

Meinhard Zanger hat das als Regisseur und Ausstatter mit den Videos von Alexander Ourth auf fantasievolle Weise ins Bild gesetzt: ein Gerüst, eine Zielvorrichtung, ein Käfig beherbergt und beherrscht die Heldin. Deren Textfluten hat sich Darstellerin Hannah Sieh in einer Weise angeeignet, die man gar nicht genug bestaunen kann: Ihr zeitweiliges Maschinengewehr-Stakkato kann schlagartig zu den zartesten Tönen wechseln, wenn es um die Familie geht – und wenn sie vom Bürostuhl aus auf den imaginären Monitor den einäugigen Propheten verfolgt, den es zu töten gilt, ist das mindestens so aufregend wie in jenen Filmen, die Hollywood den Kriegstreibern entgegensetzt. Grandios.
Westfälische Nachrichten, 11.12.15

Die mörderische Technik, die sie bedient, wird nicht gezeigt. Wenn die Drohnen-Pilotin (Hannah Sieh) vom Bürostuhl aus auf den imaginären Bildschirm starrt und die eine Bewegung mit dem Joystick macht, stirbt 8000 Meilen entfernt der Feind. [...] Bis der Schuss nach hinten losgeht.

Sie ist die Göttin der Lüfte. Bevor die Soldatin der US Air Force – schwanger – zum Dienst am Boden verdonnert wird, ergeht sie sich in leidenschaftlichen, derben Tiraden über Kampf und Sieg. [...] Mit Ehemann und Kind sieht die Welt anders aus. [...] Ein Wechsel der Realitäten, der ihr immer mehr zu schaffen macht und der zum psychischen Zusammenbruch führt. Diagnose: posttraumatische Belastungsstörung, bei Soldaten nicht unüblich. [...]

Hannah Sieh [...] brilliert in der Rolle der Drohnen-Pilotin ohne Namen. [...] Sie spielt hochkonzentriert in einem Bühnenbild, das wie eine Gefängniszelle anmutet. Außer einem Bürostuhl hat sie keine Requisiten. Ein Übriges tut die Musik, die immer wieder kurz eingespielt wird. Die Videos und Bilder, die auf der Bühne eingeblendet werden, dürften dem Fernsehzuschauer bekannt vorkommen: Menschen stehen in Gruppen – vermutlich in Afghanistan – im Fadenkreuz einer Drohne, die über ihnen kreist. Parallel dazu verschwimmt vor den Augen der jungen Frau die Realität. [...] 
Die Glocke, 12.12.15