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Kartentelefon
Philipp Löhle
6 | DIE MITWISSER
Eine Idiotie.
Premiere | Donnerstag, 11. April 2019 | 20 Uhr
Vorstellungsdauer | 2 Std. 15 Min. | Eine Pause
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© Klaus Lefebvre

Theo Glass hat sich als einer der ersten einen Kwant besorgt. Also einen dieser unauffällig dienstbeflissenen Herren, die jederzeit mit Rat und Tat zur Stelle sind und bald von immer mehr Menschen genutzt werden. Theo ist Feuer und Flamme für seinen neuen Freund. Der smarte Herr K. erleichtert ihm zum Beispiel seine Arbeit als Enzyklopädist ungemein, denn er weiß einfach alles. Theos Freundin Anna ist da viel skeptischer. Für ihren Geschmack mischt sich Kwant in viel zu viele persönliche Dinge ein. Immer sitzt er freundlich dabei und hört alles mit. Erzählt er das irgendwem weiter? Theos Chef stellt eine ganz andere Frage: Wenn Herr Kwant das ganze Wissen bereitstellt, wozu braucht man dann noch Theo?
Eine kafkaeske Vision der Digitalisierung unserer Lebenswirklichkeit, die durch einfache erzählerische Mittel die Absurdität des Alltags nicht nur aller Smartphone-Besitzer entlarvt.

Der 40jährige Philipp Löhle versetzt in seiner 2018 uraufgeführten hellsichtigen Komödie die Digitalisierung in ein analoges Paralleluniversum und lässt uns in einer vollkommen "kwantifi -zierten" Welt landen, in der unsere dunklen Ahnungen über Big Data und Co. mehr als erfüllt wurden.

Inszenierung  | Monika Hess-Zanger
Bühne & Kostüme | Elke König

Mit | Florian Bender | Rosana Cleve | Heiko Grosche | Johannes Langer | Ivana Langmajer | Jürgen Lorenzen



PRESSESTIMMEN

Und tatsächlich breitet Autor Philipp Löhle in seiner „Idiotie“ die Errungenschaften und Bedrohungen der Internetwelt Szene für Szene wie in einer kabarettistischen Sketchparade aus: Von Amazon über Google bis hin zu Parship oder YouTube werden die Phänomene durchdekliniert – nicht mit den echten Namen, der klarste ist noch „Gesichtsbuch“ – und von freundlichen Herren namens Kwant personifiziert. Die ähneln in Elke Königs Ausstattung dem liebenswerten Kinderhelden Pan Tau und dem René-Magritte-Melonenmann, erinnern in ihrem Wesen aber auch an die Zeitdiebe aus Michael Endes „Momo“. (...)
Theo, von Florian Bender mit Emphase dargestellt, verliert durch den allwissenden Helfer seinen Enzyklopädisten-Job und stellt schockiert fest, wie stark Kwant sogar in sein Intimleben eingegriffen hat, während Theos zunächst skeptische Frau (Ivana Langmajer) ihrerseits einem Kwant verfällt und dadurch ihre Ehe ruiniert.
Monika Hess-Zangers Regie sucht nicht nach Tiefe bei Figuren, die kaum Charaktere sind, sondern setzt auf die Pointen und lässt die Schauspieler beherzt auftragen, etwa Rosana Cleve als erotische Versuchung Theos und Jürgen Lorenzen als gefährlich-freundlichen Kwant, dessen Leitmotiv das Symbol sozialer Netzwerke schlechthin ist: „Gefällt mir“.
Das Schlussbild zeigt als Schreckensvision, wie Theos Kassandra-Rufe verhallen: Die Kwants sind nicht nur Beherrscher der Szene, sondern tragen schon eine Schar krächzender Mini-Melonenbabys mit sich herum. Die Premierenzuschauer, die zu Beginn erfuhren, dass sie ihre Handys zwecks Datentransfer an diesem Theaterabend gern eingeschaltet lassen dürfen, honorierten ihn mit großem Beifall.
Westfälische Nachrichten, 12.4.19

Beim Wolfgang Borchert Theater feierte es am Donnerstag Premiere in einer Inszenierung von Monika Hess-Zanger, die an vielen Stellen eher komödiantisch als erschreckend ist. (...) Die komischen Elemente des Stücks unterstützt die Inszenierung noch dadurch, dass die einzelnen Szenen oft wie in einer Nummmernrevue mit einer flotten, kurzen Melodie eingeleitet und abgeschlossen werden.
Kostüme und Bühnenbild hingegen betonen das Surrealistische an der gesamten Geschichte, mit unverhohlen eindeutigen Anspielungen an das Werk von René Magritte. Bei ihm tauchen ja in vielen Bildern oft nahezu gesichtslose Herren in schwarzen Anzügen auf, diesem Vorbild sind auch die Kwant im Borchert-Theater nachempfunden, einschließlich Melone und Aktentasche. In diese Rolle schlüpfen alle Darsteller des Abends irgendwann mal, den ersten und wichtigsten Herrn Kwant spielt Jürgen Lorenzen in einer Paraderolle herrlich süffisant aus. Florian Bender zeigt überzeugend den Wandel vom begeisterten Nutzer bis zum Opfer und Warner. Es macht Spaß, dem Ensemble bei ihrem Spiel zuzusehen. Was völlig okay ist, denn schließlich nimmt auch das Stück selbst seine Botschaft nicht so fürchterlich ernst, sondern macht sich über unser Verhalten und unsere menschlichen Schwächen eher lustig, als wirklich vor den Gefahren der Digitalen Welt zu warnen.
Alles Münster, 13.4.19

Wie wäre es, wenn uns tatsächlich dienstbare Geister umgäben, die uns nicht nur alles von den Lippen ablesen, sondern im realen Leben für uns alles erledigen? (...) Toll, man muss sich nicht mehr die Hände schmutzig machen, die dienstbaren Geister sind schon zur Stelle. Doch diese düstere Vorahnung könnte in einem Horrorszenario münden oder in jener Idiotie, die uns Autor Philipp Löhle in seinem Stück „Die Mitwisser“ vor Augen hält. Der Autor lässt die Entwicklung der Digitalisierung zu einer absurden Farce zusammenschnurren. Das Wolfgang Borchert Theater hat das Stück in dieser Spielzeit auf dem Plan. Das verspricht einen amüsanten Abend, bei dem den Zuschauern mehr als einmal das Lachen im Halse stecken bleibt. Haben wir noch genügend Zeit, die Zeit anzuhalten und um unsere Freiheit und Menschlichkeit zu kämpfen. Auf dem Plan steht: Kwant gegen Kant. (...) Monika Hess-Zanger hat das Stück von Philipp Löhle als eine kabarettistische Nummernrevue inszeniert. Nach jedem Gag folgt ein Blackout, der zum Nachdenken reicht und kleine Widerhaken setzt. Die Pointen purzeln nur so von der Bühne. Das Ensemble agiert mit so großer Spielfreude, dass es eine reine Freude ist.
Westfalium, 22.4.19

Ein heiteres Horror-Stück hat das Publikum im Wolfgang-Borchert-Theater erlebt. Als Premiere wurde „Die Mitwisser“ des 1978 geborenen Autors Phillip Löhle vorgestellt, eine anregende zeitgenössische Parabel, der sich ins Leben vieler Menschen bereits eingeschlichen hat, komisch ergründete: die Risiken einer digitalisierten Gesellschaft, in der Privates nicht mehr gehütet werden kann. (...) Würde man den trefflichen kritischen Gehalt des Stücks von Philipp Löhle von seiner komödiantisch theatralischen Form loslösen, bliebe ein flammend engagierter Text darüber, welche Auswirkungen für denjenigen entstehen können, der seine Privatsphäre Internet-Konzernen zugänglich macht und naiv Assistenten nutzt, ohne zu begreifen, welchen Preis er dafür zahlt. Ein solcher Text könnte dann als Dokument ängstlicher, rückständiger Fortschrittsfeindlichkeit leichthin diskreditiert werden.
Regisseurin Monika Hess-Zanger hat jedoch mit ihrer hintergründigen Inszenierung eine wohldosierte Atmosphäre des surrealen Schreckens erschaffen, wodurch alle berechtigten Einwände gegen die Auswüchse einer von Konzernen vorangetriebenen, umfassenden Daten-Anhäufung, die anwesenden Zuschauer eindringlicher erreichen, als es ein gesellschaftspolitischer Diskurs allein könnte. Im starken Ensemble ragt Jürgen Lorenzen als undurchschaubarer Mensch-Roboter heraus, dessen rätselhaft gespenstiges Erscheinung offensichtlich von Werken des Malers René Magritte inspiriert ist (Bühne und Kostüme:Elke König). Diese „Idiotie“, wie das Stück im Untertitel benannt ist, wirkt lange nach.
Die Glocke, 13.4.19

Dass Autor Philipp Löhle sein Stück Die Mitwisser nicht als Drama, Komödie oder Satire, sondern als „Idiotie“ einordnet, leuchtet schnell ein und lässt uns den Daumen heben. (...) Monika Hess-Zanger inszeniert Die Mitwisser mit viel Humor und Situationskomik, was ab und an fast ins Boulevardeske schweift, doch unbeschwerte Klamauk-Lacher bleiben im Halse stecken. Man schüttelt den Kopf über sich selbst, denn man weiß, dass man ja auch ... Zudem bewahrt eine stimmige surreale Bühne und Kostümierung (Elke König in Anlehnung an René Magritte) das Stück vor allzu seichtem Fahrwasser.
Ultimo, 3.6.19