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Kartentelefon
Luisa Guarro
1 | DER KÖNIG LACHT (IL RE RIDE)
Ein philosophisches Märchen. Deutschsprachige Erstaufführung. Deutsch von Aenne Busmann.
Premiere | Samstag, 14. September 2019 | 20 Uhr
Vorstellungsdauer | 1 1/4h | keine Pause

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Fotos © Klaus Lefebvre

Einer alten Legende folgend lebt der "Uccello Grifone" (dt. Vogel Greif) in den Wäldern der nördlichen Länder. Er ist ein erstaunliches Wesen, das durch seine Augen in den Menschen schlüpfen und dessen Seele lesen kann. Der sterbende König ist auf der Suche nach seinem Nachfolger. Er unterzieht beide Söhne einem Test, um herauszufinden, wer der "Richtige" ist. Der Vogel lässt sich aber nur von dem "Richtigen" ansprechen. Die Prinzen gehen auf die Suche nach dem Vogel. Denn der, der mit einer Silberfeder zurückkehrt, zeigt, dass er es schaffe, sich dem Vogel zu nähern und würdig sei, König zu werden. Unterwegs werden die Brüder zu Rivalen . . .

Eine Reflexion über den Menschen, die Macht und die tautologische Natur der Systeme, in denen er sich befindet. Macht sei nur dann gerechtfertigt, wenn der Mensch unfähig zur Brüderlichkeit ist.

DER KÖNIG LACHT geht zurück auf ein uraltes überliefertes italienisches Märchen über den Vogel "Grifone". Die Brüder Grimm übernahmen das Motiv des Ausreißens der Silberfeder in ihrem Märchen Der Vogel Greif (1837), jedoch in einem völlig anderen Zusammenhang. DER KÖNIG LACHT ist ein schwarzes Märchen, das die Neapolitanerin Luisa Guarro selbst schrieb und in Neapel 2017 uraufführte. Die auf dem 2. Internationalen Theaterfestival in Rjasan 2017 eingeladene italienischsprachige Uraufführung wurde zum Triumph. Luisa Guarro inszeniert nun am WBT auch die deutschsprachige Erstaufführung.

Inszenierung, Bühne & Kostüme | Luisa Guarro
Lightdesign | Paco Summonte


Mit | Florian Bender | Johannes Langer | Meinhard Zanger

Gesondert gefördert durch die Sparkasse Münsterland Ost.

PRESSESTIMMEN

Was erblickten die meisten von uns zuerst auf der Bühne? Märchen. Oft sind uralte Geschichten der magische Stoff, mit dem bei Kindern die Neugier auf Theater geweckt wird. Was jedoch Luisa Guarro Märchenhaftes aus dem Munde ihrer Großmutter hörte, schien der italienischen Autorin später zu holzschnitthaft, um es ihrerseits dem eigenen Sohn zu erzählen. „Guter Bruder – böser Bruder“ war Guarro als Quintessenz zu simpel. Und so schrieb die heute 43-Jährige die Geschichte zu einem Märchen für Erwachsene um: Düster, philosophisch, politisch – und dennoch märchenhaft. DER KÖNIG LACHT erntete bei der deutschen Erstaufführung im ausverkauften Borchert-Theater viele Bravos.
Kein Wunder, hat doch die Inszenierung der Autorin (hier auch Bühnen- und Kostümbildnerin) die Märchen-Magie fürs Erwachsenen-Auge hinübergerettet. Da kommen Herrscher als traurige Clowns daher. Da stehen kahle Bäume neben dem goldenen Königsthron. Da werden die Songpoeten Nick Cave und Tom Waits zu düsteren Wiedergängern des antiken griechischen Theaterchors. Und Guarro ist klug genug, die Kern-Wahrheiten des Märchens nicht mit philosophischen Monologen zu überfrachten.
Die gibt es mehrfach. Der machtversessene Jung-König weiß seine Gier mit Argumenten zu rechtfertigen, die einem sehr bekannt vorkommen. Und gleich zu Beginn stellt ein traurig-intensiver Meinhard Zanger als alternder König die „Machtfrage“. Würde die geteilte Macht in Händen seiner beiden Söhne nicht unweigerlich zu jenem schalen Kompromiss des „dritten Weges“ führen, den niemand wollen kann? Wie auch immer: Er legt die Entscheidung der Thronfolge in die Hände des mystischen Greifs (halb Vogel, halb Löwe), welcher in die Seele des Menschen blicken und den „richtigen Sohn unfehlbar erwählen würde.
Und so „reiten“ die Brüder los in den Wald, grotesk wie weiland Monty Pythons „Ritter der Kokosnuss“ – als sollten die Schmunzler dem Publikum nur ins Gesicht gemalt werden, damit das Tabu des Brudermordes später umso grausiger wirken kann. Wenn der „Böse“ Bruder den „guten“ auf immer neue Weise erschlägt, während Nick Cave apokalyptisch den „Mercy Seat“ beschwört, wirkt es fast wie eine quälende Folterfantasie. Florian Bender und Johannes Langer spielen das vielschichtig.
Das Zusammenspiel von Musik, Aktion und Licht-Design (Paco Summonte) ist ästhetisch sehr gelungen. So gleitet man wie mit Kinderaugen durch Poesie und Grausamkeit. Und: Indem Luisa Guarro der simplen Märchenmoral politische Tiefe gibt, legt sie zugleich die oft nicht minder simple Moral bloß, die unter vielen „intellektuellen“ Stücken des modernen Theaters begraben liegt.
WN 16.9.2019

Poetisches Märchen besticht durch malerische Szenen
[...] Luisa Guarro ist auch für Bühne und Kostüme verantwortlich. Optisch liebevoll und kindlich-verspielt bringt sie die Geschichte von den beiden rivalisierenden Brüdern auf die Bühne, die ihm Wald dem Vogel Greif begegnen und der flugs seine Wahl getroffen hat.
Johannes Langer und Florian Bender können als die Brüder viel clowneske Spielfreude an den Tag legen. Und auch Meinhard Zanger, der den König und den Holzfäller übernimmt, fühlt sich in seinen Figuren und seinen Kostümen wohl. In der überschaubaren Handlung geht es um Macht, um Entscheidungen und das Ende der Brüderlichkeit – denn der vom Greif auserkorene künftige König wird von seinem Rivalen ermordet. Gleich in mehreren Varianten führt Bender die Tötung des Bruders vor – vom Erhängen am Galgen bis hin zum Stich in die Brust ist alles dabei. Grausame, aber irgendwie auch malerische Szenen. ...
Die Glocke, 17.9.2019