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Franz Kafka
8 | DIE VERWANDLUNG
Schauspiel. Fassung von Monika Hess-Zanger. Mobile Produktion.
Wiederaufnahme | Freitag, 7. Oktober 2016 | 20 Uhr | WBT_FOYER
Vorstellungsdauer | 1 1/4 Stunde

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„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt" – so beginnt eine der berühmtesten und rätselhaftesten Erzählungen der Literaturgeschichte.

Und was zunächst wie ein böser Traum erscheint, entpuppt sich bald als erbarmungslose Realität. Gregor muss von nun an als Insekt leben. Aus der unentbehrlichen Stütze der verschuldeten Familie ist ein Wesen von monströser Nutzlosigkeit geworden, ein Fremdkörper, ein Parasit. Doch Gregor findet Gefallen an seiner Andersartigkeit, während seine Familie sich immer mehr von ihm abwendet und ihn ins Nebenzimmer verbannt. Die Familie hatte mal einen Sohn, einen Bruder. Jetzt wohnt nebenan ein ekelerregendes Insekt, das ein normales Leben unmöglich macht. Wenn man „ES" doch einfach loswerden könnte. Denn Eigenschaften, die Gregor bisher auszeichneten – Mobilität, Anpassung und Arbeitseifer – sind mit einem Mal verloren gegangen.

Eine Metamorphose, die im kleinbürgerlichen Familienkosmos Angst und Schrecken auslöst.

Franz Kafka (1883-1924) schrieb im November 1912 an seine spätere Verlobte Felice Bauer, daß er „eine kleine Geschichte" niederschreiben werde, „die mir in dem Jammer im Bett eingefallen ist und mich innerlich bedrängt. Die Geschichte ist ein wenig fürchterlich, sie würde dir tüchtig Angst machen." Aus ihr wurde schließlich eine Novelle, die bis heute zu den unruhigsten Träumen der Weltliteratur zählt.

Regisseurin Monika Hess-Zanger hat eine Fassung für einen Schauspieler erstellt, die mobil ist und u. a. in Schulen gezeigt werden kann.


Inszenierung | Monika Hess-Zanger
Bühne & Kostüme | Elke König

Mit | Florian Bender


PRESSESTIMMEN

„Die Verwandlung“, eine von Franz Kafkas berühmtesten Erzählungen, beschreibt die surreale Situation eines Mannes, der unaufhaltsam auf sein tragisches Ende zutreibt. Im Wolfgang-Borchert-Theater kam das Stück jetzt auf eine kleine, von Elke König nur mit einem Stuhl ausgestattete Bühne des Foyers.

Regisseurin Monika Hess-Zanger hat Florian Bender mit ihrer eigenen Textfassung ein quirliges Solo auf den Leib geschrieben, das den Schauspieler nicht nur als Erzähler fordert, sondern auch sämtliche Nebenfiguren darstellen lässt. Dabei liegt der Fokus weniger auf den düsteren, hoffnungslosen Momenten als auf Groteske, die sich vor allem in den Nebenfiguren findet. [...]

Florian Bender stellt alle im fliegenden Wechsel hinreißend komisch dar, wenn er sie, wie Karikaturen ihrer selbst, auf die Bühne bringt. Hervorragend sein dynamisches, körperbetontes Spiel in der Rolle des Ungeziefers, sei es, dass er sich ängstlich unter dem Stuhl verkriecht, eine Säule anspringt oder sich ein Rohr hinaufzieht, quasi kopfüber krabbelnd. Ein bescheidenes, allmählich vergessenes, schließlich verachtetes Wesen, das sich seinem Schicksal ergibt.

„Die Verwandlung“ ist als mobile Produktion auch für Schulen gedacht; gerade bei jungem Publikum dürfte dieser tragikomische Ansatz gut ankommen.
WN, 24.9.2015

[...] Fragen nach dem Warum werden nicht gestellt. Gregor hat sich verändert. Um genau zu sein: Er ist zu einem ekeligen Insekt mutiert. Die Familie Samsa ist erst erschrocken, dann angewidert, schließlich wird der Sohn und Bruder als Fremdkörper verbannt. Franz Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ ist grausam, aber Monika Hess-Zanger weiß sie mit einer Portion Leichtigkeit zu inszenieren. [...]

Regisseurin Hess-Zanger hat „die Verwandlung“ für das Wolfgang Borchert Theater zu einem Ein-Personen-Stück umgeschrieben, in dem Florian Bender der neun Rollen ausfüllen soll – auch die des Erzählers. Probleme zwischen den Personen hin- und her zu springen hat der Schauspieler nicht. 80 Minuten lang vermittelt Bender auf der kleinen Bühne im gemütlichen Theaterfoyer eine gute Vorstellung von den Zusammenhängen der Geschichte. Allen voran Gregor, den er zu Beginn als Naivling darstellt, der tagein, tagaus geschuftet hat, obwohl, wie sich später herausstellt, die Familie gar nicht so mittellos ist, wie er dachte. Es ist eine auch körperlich anspruchsvolle Inszenierung [...]. So ein Insektenleben soll schließlich dargestellt sein: Sportlich fit hangelt sich Bender an der Bühnendecke entlang, krallt sich an Säulen fest oder kriecht auf allen Vieren umher. Einziges Requisit: Ein Stuhl. [...]

Benders Schauspiel überzeugt besonders in kleinen, teils witzigen Gesten – wenn er, mit spitzen Zehen über den Boden staksend, Mitmieter der Familie mimt oder seine schwächelnde Mutter, die gerne mal in Ohnmacht fällt. [...] Die Isolation, in die Gregor gerät, wird überdeutlich. [...]

Kleinbürgerliches Denken und die Angst vor dem Fremden sind die Themen in Kafkas Erzählung, die bis heute zu den unruhigsten Träumen der Weltliteratur zählt.
Die Glocke, 25.9.2015