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Kartentelefon
Ferdinand von Schirach
12 | TERROR
Gerichtsdrama.
Wiederaufnhame | Freitag, 22. September 2017 | 20 Uhr
Vorstellungsdauer | 2 1/2 Std. | Eine Pause


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Fotos © Klaus Lefebvre

Was geschieht, wenn der Terror unseren Alltag beherrscht? Welche juristischen, moralischen und philosophischen Mittel hat unsere Gesellschaft in solch einer Ausnahmesituation? Darf die Würde des Menschen angetastet werden, wenn dadurch vermeintlich mehr Menschen gerettet werden können? Ein Passagierflugzeug mit 146 Menschen an Bord wird von Terroristen entführt und rast auf ein ausverkauftes Fußballstadion zu. Lars Koch, Major der Luftwaffe, kann als einziger den Anschlag verhindern. Aber darf er die Passagiermaschine abschießen und dabei 146 Menschen töten, wenn die Terroristen nicht einlenken? Die Uhr tickt und Lars Koch trifft eine Entscheidung. Wenige Wochen später muss er sie vor einem Schöffengericht rechtfertigen. Die Schöffen – in diesem Fall das Publikum – müssen am Ende der Verhandlung eine Entscheidung fällen.

Eine Gerichtsverhandlung, die die eigene Moral eindringlich infrage stellt: Darf Leben gegen Leben abgewogen werden?

TERROR ist das erste Theaterstück von Ferdinand von Schirach. Der Strafverteidiger und Schriftsteller (Schuld, Verbrechen) betrachtet in seinen literarischen Werken weniger die Täter, sondern vor allem ihre Motive für eine Tat. Mit über zwei Millionen verkauften Büchern führt er international die Bestsellerlisten an und wurde u.a. mit dem Kleist-Preis und dem Berliner Bären ausgezeichnet. Die britische Tageszeitung The Daily Telegraph nennt Ferdinand von Schirach "eine der markantesten Stimmen der europäischen Literatur".


Inszenierung | Meinhard Zanger
Bühne & Kostüme | Darko Petrovic


Mit | Florian Bender [Lars Koch, Angeklagter] | Jürgen Lorenzen [Christian Lauterbach, Zeuge] | Marion Mainka [Biegler, Verteidigerin] | Monika Hess-Zanger [Vorsitzende] | Hannah Sieh [Nelson, Staatsanwältin] | Rosana Cleve [Franziska Meiser, Nebenklägerin & Zeugin]

Zu den Abstimmungsergebnissen auf der Homepage des Verlages Kiepenheuer Bühnenvertrieb geht es hier.

PRESSESTIMMEN

„[...] Spannende Rechtsbelehrung [...]
Ist Tötung erlaubt, um ein größeres Übel zu verhindern? Dies ist die Ausgangsfrage in Ferdinand von Schirachs Gerichtsdrama „Terror“ [...]. Die Zuschauer sehen sich darin als Schöffen wieder, die ein Urteil zu fällen haben. Dies macht die Angelegenheit spannend. Wenngleich von Schirachs Stück phasenweise – so etwa bei den Schlussplädoyers – eher wie eine rechtsphilosophische Belehrung und weniger als Drama durchgeht.
Im nüchternen Gerichtsraum, den Darko Petrovic schlicht und funktional gestaltet hat, scheint von Anfang an als Schriftprojektion der Artikel eins des Grundgesetzes auf: „Die Würde des Menschen ist unantastbar!“ Damit gibt Borchert-Intendant und Regisseur Meinhard Zanger im Grunde die Richtung vor, die auch Ferdinand von Schirach in der Anordnung des Falles offensichtlich vorgesehen hat. [...] Die „Versuchsanordnung“ lässt den Betrachter recht schnell klar werden, dass der Pilot eigenmächtig gehandelt und mögliche Alternativen nicht durchdacht hat. Florian Bender gibt den Major als hochintelligenten und rational handelnden Entscheider. Erst nach 75 Minuten erlaubt ihm die Dramaturgie einen emotionalen Ausraster. Er könne sich keine Grundsatzdebatte über Menschenrechte erlauben. „Ich muss entscheiden“, brüllt der Major in seiner Bedrängnis.
Monika Hess-Zanger leitet die zweistündige Gerichtsverhandlung als Vorsitzende Richterin ebenso moderat wie juristisch nachbohrend und bringt dabei den technokratisch agierenden Vorsitzenden des Majors, Oberleutnant Lauterbach (Sven Heiß), aus dem Takt. Hannah Sieh kommt als Staatsanwältin Nelson vor allem im Schlussplädoyer in Fahrt, in dem sie Verfassung und unteilbare Grundrechte verteidigt. Die schauspielerisch überzeugendste Figur an diesem Abend ist zweifelsfrei Marion Mainka in der Rolle der rhetorisch brillanten Verteidigerin des Majors, die ja die Schöffen fast noch zum Freispruch treibt. Doch hier sind unschuldige Opfer zu beklagen, denen Alice Zikeli als Nebenklägerin eindrucksvoll Stimme und Grundrecht verleiht.
[Es gab] heftigen, stehenden Applaus für die Energieleistung des Borchert-Ensembles. Ein Stück, das wichtig ist in Zeiten, in denen rechtsradikale Kräfte nach simplen Lösungen suchen und die Menschenrechte partiell außer Kraft setzen wollen.“
[Westfälische Nachrichten, 12.09.2016]

„Intendant Meinhard Zanger hat ein gutes Gespür für den Zeitgeist. Er weiß es zu schätzen, wenn ein Stück das Zeug hat zum Stadt-Gespräch zu werden.
Dieses Gerichtsdrama zieht das Publikum alleine schon durch seine Brisanz und seine Aktualität in seinen Bann. Es ist die Brutalität einer möglichen Wirklichkeit, die niemand kalt lässt. [...]
Die Inszenierung in Münster hält sich streng an die Textvorlage – und das ist auch gut so. Die Inszenierung bleibt kühl und sachlich. Von etwaigen Versuchungen, die Szene aufzuladen oder gar noch weiter zu dramatisieren, hat sich Regisseur Meinhard Zanger nicht verführen lassen. Die Schauspieler füllen ihre Rollen glaubhaft aus, so dass es, neben dem didaktischen Gedankenspiel zu folgen, auch ein Spaß ist, dem engagierten Ensemble zuzuschauen. Das hat Klasse und macht bei aller Anstrengung, die das Drama als Lehrstück verursacht, einen großartigen Theaterabend.
Souverän und völlig glaubhaft agiert Monika Hess-Zanger als Vorsitzende. Florian Bender gibt den Angeklagten durchaus mit leisen Selbstzweifeln und ohne jede Helden-Attitüde. [...] Die Staatsanwältin Nelson wird von Hannah Sieh mit der gebotenen Kälte und Schnippigkeit gespielt. Ihre Anklage ist messerscharf. Mario Mainka kann als Verteidigerin und Gegenspielerin der Anklage auf die Sympathie eines Großteils des Publikums bauen. Wenn sie ihr Abschlussplädoyer hält, spielt sie mit den Emotionen und der inneren Zustimmung der Zuschauer. [...]“
[Westfalium, 18.09.2016]

„Die Inszenierung wird nach einer erläuternden Einführung sehr schnell sehr spannend und schafft es, diese Spannung bis zum Ende zu halten. Das verdankt sich Meinhard Zangers kluger Art, an die Sache heranzugehen. Der Borchert-Chef inszeniert zurückgenommen, beinahe minimalistisch, und steigert damit die Wirkung des Textes und der darin enthaltenen Problematik. Dasselbe gilt für die Schauspieler, die sich strikt an die Gerichtssituation halten und damit zusätzlich für Authentizität sorgen.“
[GIG, Oktober 2016]